Dackel "Waldi" – das Olympia-Maskottchen der Spiele 1972 in München
Dackel Waldi wurde 1972 zum Olympiamaskottchen der Spiele in München. Der farbenfrohe Vierbeiner gilt bis heute als Kultfigur und als erstes offizielles Olympia-Maskottchen der Geschichte.
- 5 Minuten
- Kultur
Traditionell entwirft die Gastgeberstadt das Maskottchen für die Spiele – meist ein Tier aus der Region. Für München gab es kaum eine passendere Wahl als den Dackel: Er gehört seit jeher zum bayerischen Kulturgut und steht für Zähigkeit, Beweglichkeit und Ausdauer.
Inhaltsverzeichnis
Die Geburtsstunde von Olympia-Maskottchen "Waldi“
Beinahe hätte es Waldi gar nicht gegeben. In Eva Mosers Aicher-Biografie wird beschrieben, dass ursprünglich die Karikatur eines Oberbayern namens „Seppl“ als Maskottchen geplant war.
Doch dann kam alles anders: Willi Daume, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (1961–1992), war selbst Dackelbesitzer und brachte die Idee ein, einen Dackel als Maskottchen zu verwenden.
In der dritten Adventswoche, am 15. Dezember 1969, fand die Weihnachtsfeier des Organisationskomitees der Münchner Spiele statt. Bei Plätzchen und Tee erhielten die Teilnehmer Buntstifte, Papier und Knete, um Maskottchen-Entwürfe zu gestalten. Hier entstand die Idee für das Olympia-Maskottchen Dackel „Waldi“.
Das Design von Olympia-Maskottchen „Waldi“
Das Olympiamaskottchen Dackel Waldi von 1972 wurde vom Designer Otto „Otl“ Aicher (1922–1991) entwickelt. Der deutsche Gestalter leitete die Abteilung Visuelle Gestaltung. Als ehemaliger Widerstandskämpfer und Schwager der Geschwister Scholl wollte er Deutschland als moderne, demokratische und offene Gesellschaft präsentieren – bunt, heiter und freundlich.
Aicher entwickelte das Farbschema der Spiele. Er wählte ein lichtes Blau als Hauptfarbe, ergänzt durch die Farben Silber, Weiß, Orange und Hellgrün. Seine Mitarbeiterin Elena Winschermann griff Töne des Farbschemas auf und entwarf den bunten Dackel. Kopf und Schwanz in hellblau, der Körper gestreift mit mindestens drei der sechs olympischen Farben.
Als reales Vorbild diente die Rauhaardackeldame Cherie von Birkenhof, damals 84 Tage alt, aus der Zucht von Max Birken aus Maisach. Der Präsident des NOK Willi Daume schenkte Félix Lévitan, dem Präsidenten des Internationalen Sportpresseverbandes, die Dackeldame zum Richtfest des Münchner Olympiastadions am 23. Juli 1970.
Am Montag, den 4. Januar 1971 wurde Dackel „Waldi“ offiziell als erstes Maskottchen der Olympischen Sommerspiele vorgestellt.
Die große Dackelparade von München
Spätestens im Olympiajahr 1972 herrschte in München echtes Dackel-Fieber. In der Stadt mit damals 1,33 Millionen Einwohnern lebten rund 5.000 Dackel. Am 10. Januar 1972 zogen etwa 1.000 Dackel mit ihren Besitzern durch die neu eröffnete Münchner Fußgängerzone.
Seine Königliche Hoheit (SKH) Prinz Rasso von Bayern, eine leidenschaftlicher Züchter von Kurzhaardackeln und Vorsitzender des Bayerischen Dachshundklub von 1963 bis 1965 reihte sich ebenso wie der Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel mit seinem Dackel in die Dackelparade ein.
Der Fotohistoriker Heinz Gebhardt dokumentierte die Parade fotografisch. Bilder findet Ihr hier.
Olympische Marathonstrecke in „Waldi-Form“
Der Marathon gehört zu den traditionsreichsten olympischen Disziplinen. Für München sollte die Strecke etwas Besonderes werden. Die 42,195 km lange Strecke wurde so geplant, dass sie an die Form von „Waldi“ erinnerte. Verantwortlich dafür war der damals 29-Jährige Diplom-Ingenieur Gerhard Fanderl vom Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht.
Die Strecke führte symbolisch:
- Start am „Nacken“ von Waldi
- Strecke um Waldis „Ohren“
- Durchquerung des Nymphenburger Schlossparks entlang der „Schnauze“
- Weiter über die „Vorderpfoten“ durch den Hirschgarten
- Verlauf um Waldis „Bauch“ durch die Münchner Innenstadt
- Über „Hinterpfoten“ und „Schwanz“ in Richtung Englischer Garten
- Rückkehr über Waldis „Rücken“ ins Olympiastadion
Der Marathon gehört zu den traditionsreichsten olympischen Disziplinen. Für München sollte die Strecke etwas Besonderes werden. Die 42,195 km lange Strecke wurde so geplant, dass sie an die Form von „Waldi“ erinnerte. Verantwortlich dafür war der damals 29-Jährige Diplom-Ingenieur Gerhard Fanderl vom Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht.
Die Strecke führte symbolisch:
- Start am „Nacken“ von Waldi
- Strecke um Waldis „Ohren“
- Durchquerung des Nymphenburger Schlossparks entlang der „Schnauze“
- Weiter über die „Vorderpfoten“ durch den Hirschgarten
- Verlauf um Waldis „Bauch“ durch die Münchner Innenstadt
- Über „Hinterpfoten“ und „Schwanz“ in Richtung Englischer Garten
- Rückkehr über Waldis „Rücken“ ins Olympiastadion
"Waldi" als Verkaufsschlager
Das Maskottchen wurde in 13 offiziellen Varianten verkauft – darunter Plüschtiere, Ziehspielzeug und Puzzles. Über zwei Millionen Stück gingen weltweit über die Ladentheke.
Gleichzeitig überschwemmten viele nicht lizenzierte Produkte den Markt. Die erhofften Gewinne für Organisationskomitee und Stiftung Deutsche Sporthilfe blieben hinter den Erwartungen zurück.
Heute sind originale Waldi-Souvenirs begehrte Sammlerstücke. Lizenzierte Exemplare – etwa von Steiff – erzielen Preise von bis zu 100 Euro. Auch Neuauflagen und Fanartikel sind weiterhin beliebt.
50-jähriges Jubiläum der Olympischen Sommerspiele
2022 wurde das 50-jährige Jubiläum der Spiele von 1972 gefeiert.
Neuauflage des Maskottchens
Am 01. Juli 2022 gab es eine exklusive Neuauflage des Oylmpia-Maskottchens. Der “Neue” basierte auf dem Originalentwurf von Elena Schwaiger (geb. Winschermann) und wurde mit der Grafikerin abgestimmt. Erhältlich war das Stofftier ausschließlich im Souvenirshop am Münchner Olympiaturm für 49,95 Euro. Allerdings gab es das neu entworfene Maskottchen nur in einer sehr kleinen limitierten Zahl – 1.500 Stück suchten ein neues Zuhause. Man musste schnell zugreifen.
Dackel-Day im Olympiapark
Am Ostermontag wurde der Olympiapark zur Bühne für ein besonderes Dackel-Event. Rund 300 Dackel und ihre Halter*innen nahmen an der Veranstaltung teil und sorgten für eine beeindruckende Kulisse aus kurzen Beinen und langen Rücken. Neben einem 10 × 10 Meter großen Agility-Parcours, gab es auch professionelle Fotoshootings. Zudem wurden Spenden für die Tiertafel München gesammelt. Für Unterhaltung sorgte außerdem eine Fashion-Show, bei der die Dackel ihre Outfits präsentieren konnten. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Spaziergang rund um den Olympiasee, bei dem Hund und Mensch das Event entspannt ausklingen ließen.
Jubiläumsumzug mit "Waldi"
Einer der emotionalen Höhepunkte war der Jubiläumsumzug, an dem knapp 4.000 Menschen teilnahmen und der die besondere Atmosphäre der Spiele von 1972 eindrucksvoll wieder aufleben ließ. Die Mischung aus Nostalgie, Gemeinschaftsgefühl und Feierlaune machte diesen Moment für viele Besucher unvergesslich.
Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand dabei natürlich Waldi, das legendäre Maskottchen der Olympischen Spiele 1972. Den krönenden Abschluss des Umzugs bildete eine riesige Pappmaché-Figur von Waldi. Mit ihren leuchtenden Farben und den liebevoll gestalteten Details zog die Figur alle Blicke auf sich und sorgte für echte Begeisterung entlang der Strecke.
Zum Abschluss zogen etwa 250 echte Dackel durch München – ein emotionaler Moment und eine Hommage an das historische Maskottchen.
Fazit
Dackel Waldi bleibt bis heute das bekannteste Olympiamaskottchen der Spiele 1972 in München. Der Vierbeiner schrieb Geschichte als erstes offizielles Maskottchen der Olympischen Spiele überhaupt. Bis heute gilt er als Symbol der Münchner Spiele und ist aus der Olympia-Geschichte nicht wegzudenken. Mit seinem freundlichen Auftreten, dem farbenfrohen Design und seiner typischen Dackelform eroberte er weltweit die Herzen von Sportfans und Tierliebhabern. Seine Beliebtheit ist bis heute ungebrochen.
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Quelle: ©Astrid Wagner
Quelle: ©Astrid Wagner
„Marathonstrecke in Waldi-Form“
Bild generiert mit KI / ChatGPT (DALL·E)

